Ja, Stoffwindeln machen mehr Arbeit als Wegwerfwindeln und man muss sich den ein oder anderen Gedanken machen. Aber kompliziert ist es trotzdem nicht. Und wenn ich daran denke, dass die Wegwerfwindel auf einer Müllkippe ein längeres Leben haben wird, als das Kind an dessen Po sie war, dann investiere ich die Zeit und Energie gerne. Meiner Meinung nach ist das auch kein „ganz oder gar nicht“-Thema. Wir handhaben es so, dass es zu unserem Leben passt und wickeln aus einer Kombination von Wegwerfwindeln und Stoffwindeln. Wir verfahren da nach dem Motto „jede gesparte Wegwerfwindel ist gut“. Aber ich mag mir unser Leben auch nicht komplizierter machen, als es sowieso schon ist. Also gibt es bei der Tagesmutter, auf Reisen und nachts Einwegwindeln. Zuhause und im normalen Alltag gibt es Stoffwindeln. Da das Kind nur 3 Tage pro Woche bei der Tagesmutter ist, wickeln wir also ca. 60% der Windeln in Stoff. 

Windeln bei Neugeborenen – Windeln bei Kleinkindern

Wir haben die erste Zeit nach der Geburt Wegwerfwindeln genutzt, da der Waschaufwand in Kombination mit unserer Lebenssituation (und der Waschmaschine auf dem Dachboden) zu kompliziert war. Nach ca. 2 Monaten haben wir die ersten Versuche mit Stoffwindeln gemacht. Wir haben drei Systeme ausprobiert (Windelmanufaktur, Close Pop-In V2, Bambino Mio). Davon haben wir bei Muttermilchstuhl kaum eine Windel dicht bekommen. Da wir dank Spuckkind sowieso einen nur schwer zu bezwingenden Dauerwäscheberg hatten und dann auch noch ein Umzug anstand, haben wir das Thema Stoffwindeln für einige Monate sein lassen. Erst als das Kind ca. 9 Monate alt war (und dank Beikosteinführung die Spuckzeit vorbei und der Stuhlgang seltener und fester geworden war) haben wir die Stoffwindeln wieder ausgepackt und griffbereit neben die Wegwerfwindeln geräumt. Seitdem kommen wir prima mit den Windeln klar.

Wenn ich nochmal Stoffwindeln bei einem vollgestillten Kind nutzen würde, dann würde ich keine Einlagen in die Windel legen, sondern klassisch Mullwindeln, bzw. Bindewindeln nutzen, die um das Kind gewickelt und dann mit der Überwindel fixiert werden.

Alternativ würde ich in verschließbare, saugfähige Innenwindeln investieren. Zum Beispiel Windelhosen von Lotties. Dadurch wird der recht flüssige Stuhl eher in der Windel bzw. am Kind gehalten. Da kleine Kinder meist sowieso länger auf dem Wickelplatz liegen und die Fürsorge genießen, gibt es eigentlich auch genug Zeit und Ruhe sie ordentlich in Stoff zu packen. Ältere Kinder sind aktiver und wollen eher wieder vom Wickelplatz weg, sodass es praktisch ist, einfach eine vorbereitete Windel um den Popo zu packen. Dank des festeren Stuhls ist eine noch dichtere Stoffwindel tagsüber dann auch nicht mehr unbedingt notwendig.

Ich war am Anfang davon abgeschreckt, dass es viele Systeme gibt, bei denen man zwei Mal Stoffwindeln kaufen muss, um verschiedenen Größen zu haben. Daher habe ich auch ein System ausprobiert, das für die gesamte Wickelzeit funktionieren soll (Pop-In V2). Mittlerweile würde ich davon abraten. Es gibt einfach einen großen Unterschied, weil Babys vor allem im ersten Jahr sehr schnell wachsen und sich die Körperproportionen stark verändern. Windeln, die für die gesamte Zeit zu nutzen sind, werden meistens mit Druckknöpfen auf der Vorderseite verkleinert. Allerdings entsteht hierdurch ein dicker Wulst, der meiner Ansicht nach unbequem sein muss. Außerdem sitzen diese Windeln nicht so gut, und man muss sie stärker zurechtrücken. Wir haben die Windeln daher kaum genutzt, bis das Kind groß genug war, um sie in der nicht verkleinerten Form zu tragen.

Windelreduzierung durch die Benutzung vom Töpfchen

Neben der Nutzung von Stoffwindeln setzen wir das Kind, seit es ca. 7 Monate alt ist, fast bei jedem Wickeln und manchmal auch sonst auf Verdacht auf das Töpfchen. Das war eigentlich aus der Not geboren, da wir durch die Beikosteinführung oft Probleme mit Verstopfung hatten und die Haltung auf dem Töpfchen dagegen geholfen hat. Danach kam eine Phase, in der das Kind sich partout nicht im Liegen wickeln lies, sodass wir es aufs Töpfchen gesetzt haben, um es sauber zu machen und ihm anschließend auf unserem Schoß eine neue Windel anzuziehen. Und so ist das Töpfchen alltäglich geworden und wir sparen uns die ein oder andere Windel komplett.

Urwald Windelsysteme – Unsere Erfahrung mit drei verschiedenen Windeln

Nach umfangreichen Recherchen habe ich drei Windelsysteme gekauft, um diese auszuprobieren. Wir haben eine Überhose mit diversen Einlagen (Bambino Mio), ein System bestehend aus Außen- und Innenwindel mit diversen Einlagen (3in1 Windelmanufaktur) und ein System mit Außenwindel und einknöpfbarer Einlage (Close Pop-In V2) ausprobiert. Wir also haben drei Systeme getestet, die der Handhabung einer Einwegwindel ähnlich ist, bei denen die Einlagen wechselbar sind und die alle in irgendeiner Form eine Kunstoffbeschichtung nutzen, um Windelfeuchtigkeit und Außenwelt voneinander zu trennen. 😉

Einige Systeme habe ich aus den nachfolgenden Gründen von vornherein ausgeschlossen.

Pocketwindeln – All-in-One-Windeln
Ich habe mich direkt gegen Pocketwindeln entschieden. Hierbei ist die Einlage als Lasche fest mit der Windel verbunden und wird in eine Tasche geschoben, sodass die Windel jedes Mal komplett gewaschen werden muss. Ich wollte bei der Wahl der Einlagen jedoch flexibler bleiben und diese wechseln können. Darüber hinaus finde ich es praktischer, wenn Einlage und Windel getrennt voneinander gewaschen werden können, da es den Einlagen guttut, wenn sie ab und zu heiß gewaschen werden. Viele empfehlen die Pocketwindeln für den Einsatz bei Großeltern, skeptischen Vätern oder in der Tagespflege. Meiner Meinung nach können auch die anderen Windeln so vorbereitet werden, dass sie von der wickelnden Person einfach nur um den Po des Kindes gelegt werden müssen. Dafür muss die Einlage nicht in einer Tasche stecken oder an der Windel festgenäht sein.

Wollwindeln
Ich mich trotz meiner sonstigen Begeisterung für Wolle gegen den Einsatz von Wollüberhosen entschieden, da diese doch etwas mehr Pflege benötigen, als eine Windel mit Kunststoffbeschichtung.

Überhosen
Außerdem haben wir uns generell gegen Überhosen entschieden, da wir es einfacher finden, eine vorbereitete Windel um den Po zu legen, mit Klett oder Knöpfen zu schließen und entsprechend zu entfernen, als eine Hose an und ausziehen zu müssen. So kann man z.B. unterwegs auch Schuhe und Hose anlassen und diese einfach herunterziehen und trotzdem wickeln.

Von uns getestete Windelsysteme

Bambino Mio

  • System: Außenwindel, Einlage
  • Verschluss: Klettverschluss
  • 2 Größen

Pro

  • Sehr dünn, tragen kaum auf
  • Schöne Muster
  • Es gibt immer wieder Farben/Muster, die günstig sind
  • Trocknen sehr schnell
  • Unkompliziert
  • Einfach gelöster Gegenklett zum Wäscheschutz
  • Es passen alle möglichen Einlagenkombinationen in die Windel

Contra

  • Klettverschluss muss beim Waschen immer geschlossen werden 
  • Sehr fester und großer Verschluss, führt eventuell zu Druckstellen, vor allem bei Neugeborenen.

Fazit:
Diese Überwindel ist schlicht und einfach, aber absolut ausreichend. In viele der anderen Systeme wurden Sachen eingebaut, die praktisch erscheinen, es im Alltag aber nicht sind. Der Gegenklett ist simpel (man faltet einfach den Klett um). Eine Lasche vorne, um die Einlage einzustecken reicht vollkommen. Die Windel ist sehr dünn, und je nach dem wie viele und welche Einlagen man reinpackt, wird der Popo auch nicht so ein dicker Hummelpo, wie in manchen anderen Systemen.

Kommentar:
Die Bambino Mio darf nicht mit der MioSolo verwechselt werden. Hierbei handelt es sich um eine All-in-One (AiO) Windel der gleichen Marke. Die MioSolo ist eine Pocketwindel, bei der eine saugfähige Lasche als Einlage direkt mit der Windel verbunden ist. Die Windel ist durch Druckknöpfe auf der Vorderseite größenverstellbar, sodass theoretisch nur eine Windel für die gesamte Wickelzeit notwendig ist. Ich finde weder Pocketwindeln, noch größenverstellbare Windeln praktisch.

Ähnliches System: z.B. Weeza von Windelzauberland, (diese Überhose gibt es mit Klett oder Druckknöpfen und sie ist größenverstellbar, die Verschlusslaschen scheinen weicher zu sein, als bei der Bambino Mio)

Windelmanufaktur

  • Außenwindel, Innenwindel, Einlage
  • Mit Druckknöpfen verschlossen
  • 2 Größen

Pro

  • Sehr schöne Materialien
  • Sehr schöne Muster
  • Sympathische Firma

Contra

  • Recht teuer
  • Ein bisschen viel Gedöns durch das Knöpfen
  • Ich finde Druckknöpfe zum Schließen unpraktischer als Klettverschluss, weil man in die Windel greifen muss oder Druck auf den Bauch ausüben muss, um die Windel zu schließen
  • Die Außenwindel muss öfter als gedacht gewaschen werden. Bei uns ist selten nur die Innenwindel dreckig geworden.

Fazit:
Die Windeln sind wunderschön und fühlen sich toll an. Sie werden in Deutschland produziert und sind aus hochwertigen Stoffen gemacht. Auf den ersten Blick fand ich die Idee super, dass man nur die Innenwindel regelmäßig tauschen muss und die Außenwindel länger nutzen kann. In der Benutzung bei einem Neugeborenen hat sich allerdings herausgestellt, dass leider eben doch immer wieder mal was daneben geht und die Außenwindel deswegen doch häufig gewaschen werden muss und man daher auch hiervon einige benötigt. Ich empfehle die Windeln daher eher bei Kindern, die schon feste Nahrung zu sich nehmen. Außerdem ist es etwas umständlich die Innenwindel auszutauschen, wenn man gerade ein zu wickelndes Kind vor sich liegen hat. Zusätzlich sind die Windeln relativ teuer, auch wenn der Preis gerechtfertigt ist, wenn man die Stoffqualität und die gesamte Ethik der Firma beachtet.

Ähnliches System: z.B. gDiapers/gNappies

Close Pop-In V2

  • Außenwindel, 2-teilige einknöpfbare Einlage
  • 1 Größe
  • Klettverschluss

Pro

  • Komplettsystem, man braucht nur einmal die Windeln kaufen
  • Einlagen werden vorne und hinten befestigt und rutschen nicht leicht raus
  • Sehr schöne Stoffe, allerdings sind die schöneren Muster auch teurer

Contra

  • Die Außenwindel ist innen mit Stoff bezogen. Dadurch muss sie immer mit in die Wäsche. Bei anderen Systemen reicht es bei Urin die Einlage auszutauschen, da sich die Außenwindel nicht vollsaugt.
  • Die Einlagen sind seitlich mit Gummis gerafft, hier sammelt sich schnell Dreck an, der sich nicht gut auswaschen lässt. (Ich habe bisher keine positiven Effekt dieser Raffung gemerkt.)
  • Die Einlagen sind aus Bambus und dürfen nicht heiß gewaschen werden
  • Der Gegenklett muss jedes Mal in und aus einer Lasche rausgefriemelt werden. Er ist sehr klein und hält mit der Zeit nicht mehr gut, weil er sich aufrollt.

Fazit:
Wir benutzen die Pop-In V2 Windeln, da wir einige hiervon haben. Allerdings dauert es länger diese Windeln zur Benutzung und zur Wäsche vorzubereiten, als z.B. die Bambino Mio Windeln. Es muss geknöpft und gefriemelt werden. Außerdem habe ich den Eindruck, dass die Außenwindel leichter feucht wird, wenn die Windel sehr voll ist, als die Bambino Mio Überwindel. Dies liegt daran, dass der Stoff sich „textiler“ anfühlt und die Feuchtigkeit daher anscheinend leichter nach außen leitet.

Ähnliches System: z.B. TotBots PeeNuts,

Unser Zubehör und Umgang mit Stoffwindeln

Saugfähige Einlagen

Als Saugfähige Einlagen werden beim Stoffwickeln diverse Materialien, Arten und Formen eingesetzt. Es gibt Systeme, bei denen die Einlage vorgegeben ist, z.B. weil sie eingeknöpft wird (z.B. bei Pop-In V2) oder wie bei den bereits erwähnten All-In-One Systemen fest in der Windel integriert sind. Ich präferiere Windeln, bei denen man das Saugmaterial selbst wählen und flexibel ändern und anpassen kann.

In der Art und Weise des saugfähigen Materials ist grundsätzlich zu unterscheiden, ob man eine Einlage in eine Überhose/bzw. Innenwindel einlegt und die Windel anschließend am Kind befestigt, oder ob man zunächst ein saugfähiges Material um das Kind legt und befestigt und anschließend eine wasserdichte Außenwindel darüber anzieht. Die letztere Variante ist vor allem für Babies mit flüssigem Stuhl und zeitlich langen Windeleinsatz (z.B. nachts) zu empfehlen.

Zum Material: ich nutze am liebsten Baumwolleinlagen, weil sie unempfindlich sind und ich viele Textilien als Einlagen nutzen kann, die ich sowieso zuhause habe. Baumwolleinlagen sind manchmal dicker, um die gleiche Saugkraft wie einige andere Materialien (Bambus etc.) zu erreichen. Dafür sind sie aber auch völlig unempfindlich beim Waschen und man muss sich kaum Gedanken machen und kann sie auch bei 90 °C waschen. Ich benutze deswegen am liebsten Einlagen aus Frottee, Molton oder Mulltüchern (aus alten Handtüchern, Waschlappen, Mullwindeln). Aber auch alte T-Shirts und ausrangierte Bettwäsche haben schon Verwendung als Einlage gefunden. Auch andere Materialien, wie Mikrofaser oder Hanf werden als Einlagen genutzt. Sie haben dabei unterschiedliche Eigenschaften, wobei meistens vor allem die Aspekte wie schnell und wie viel Flüssigkeit aufgenommen wird beachtet werden.

Wenn man Einlagen benutzt, die einfach in die Windel eingelegt werden, kann man entweder Tücher nutzen, die man sich in die gewünschte Form und Größe faltet oder man nutzt sogenannte Prefolds. Um möglichst wenig Arbeit beim Vorbereiten der Windeln zu haben, nutze ich am liebsten Prefolds, die an den kurzen Seiten zusammengenäht sind. Die Einlagen trocknen nach dem Waschen unkompliziert und schnell genug und brauchen nur in die Windel eingelegt zu werden. Darunter kann je nach geplanter Nutzungsdauer ein sogenannter Booster eingelegt werden. Mit Booster werden letztlich einfach zusätzliche Einlagen gemeint, die die Menge der Flüssigkeit, die aufgenommen werden kann, erhöhen. Um die Windel nicht zu dick und unbequem werden zu lassen, werden hierzu oftmals Einlagen aus anderen Materialien als Baumwolle verarbeitet. So brauchen Hanfeinlagen zum Beispiel länger, um Feuchtigkeit aufzunehmen, speichern dafür aber eine größere Menge und sind gleichzeitig dünner als Baumwolleinlagen. Von unserem Windelset der Windelmanufaktur haben wir eine Hanf- und eine Zorbeinlage, die sich prima als Booster unter einer Baumwolleinlage eignen.

Bei den Close Pop-In V2 Windeln sind Einlagen aus Bambus verarbeitet. Diese Einlagen fangen schneller an zu riechen und sind leider nicht so heiß zu waschen. Ich bin daher kein Fan von Bambuseinlagen.

Feuchttücher

Feuchttücher sind furchtbar praktisch. Aber auch hier fällt jede Menge Müll an und gleichzeitig wird die Babyhaut bei konventionellen Feuchttüchern auch wieder diversen Inhaltsstoffen ausgesetzt, die nicht notwendig sind. Doch auch hier halten wir es pragmatisch und nutzen einen Mix aus Feuchttüchern und Waschlappen. Feuchtücher nutzen wir, wenn wir unterwegs sind oder das Chaos zu groß ist. Zuhause haben wir jede Menge Waschlappen, aber auch kleine Tücher aus Stoffresten, die als Feuchttücherersatz dienen. Als wir noch außerhalb des Badezimmers gewickelt haben, hatten wir zu diesem Zweck eine Pumpthermoskanne auf dem Wickeltisch stehen, sodass wir immer warmes Wasser zum Wickeln bereit hatten und gleichzeitig die Gefahr einer umkippenden Schüssel gebannt war. Nun wickeln wir neben dem Waschbecken, sodass eine Thermoskanne nicht mehr notwendig ist. Die nassen, dreckigen Lappen kommen einfach zu den Einlagen in eine Wetbag.

Waschen

Das Waschen von Stoffwindeln wird immer wieder als unglaublich kompliziertes Thema gehandelt. Und man sollte wohl ein paar Dinge beachten, doch wenn man einmal eine Routine hat, ist es ein Kinderspiel. Generell sollte bei allen Textilien, die mit Kinderhaut in Berührung kommt auf parfümierte Waschmittel und Weichspüler verzichtet werden, da vor allem die starken Duftstoffe belastend für die Haut sind. Darüber hinaus ist zu beachten, dass es einige Inhaltsstoffe von Waschmitteln gibt, die die Beschichtung von Windeln kaputt machen (z.B. Enzyme) sodass auf diese verzichtet werden sollte, um sich lange an dichten Windeln erfreuen zu können. Auf der anderen Seite reichern sich manche Inhaltsstoffe an den Fasern der Einlagen an, sodass diese ihre Saugfähigkeit verlieren (das passiert z.B. bei Weichspüler). Daher empfehle ich für die Babyzeit einfach die komplette Familienwäsche mit Parfüm- und Enzymfreien Waschmitteln und ohne Weichspüler zu waschen, dann können auch die Windeln in jeder Buntwäsche mitgewaschen werden. Wir nutzen zusätzlich für Kochwäsche ein Vollwaschmittel, damit unsere Geschirr-, Spül- und Handtücher keinen Grauschleier bekommen. Wie in quasi jedem Vollwaschmittel ist hier ein bisschen Bleiche enthalten. Der Einfachheit halber kommen unsere Baumwolleinlagen immer wieder mit in diese Kochwäsche.

Wenn man ein bisschen zu dem Thema liest, scheint es einer Glaubensfrage zu gleichen, welches Waschmittel benutzt werden darf und welches nicht. Ich bin da wie so oft pragmatisch, wir nutzen immer ein Flüssigsensitivwaschmittel aus dem Geschäft, in dem wir gerade sind, wenn das Waschmittel knapp wird. Daher haben wir im Wechsel die Eigenmarken von Aldi, DM und Rossmann und bisher habe ich keinen Unterschied in der Waschkraft feststellen können. Ob unsere Überwindeln mehr oder weniger leiden, weiß ich nicht. Nach monatelangem Waschen sind sie jedenfalls noch dicht und riechen nicht. Unser Vollwaschmittel ist ein Pulverwaschmittel, dass ich bei DM kaufe.

Zum Praktischen:

Wir nutzen in jeder Windel ein Windelvlies, das in der Buntwäsche mitgewaschen wird, wenn es nur mit Urin in Kontakt gekommen ist. Stuhl nehmen wir mithilfe des Vlieses aus der Windel und entsorgen beides zusammen in der Toilette.

Überwindeln, die nur mit Urin in Kontakt gekommen sind, werden entweder direkt oder nach kurzer Trockenzeit beim nächsten Wickeln mit einer neuen Einlage genutzt. Stärker verschmutzte Windeln werden eventuell mit Toilettenpapier und/oder Wasser grob von Stuhl gereinigt und kommen anschließend in eine Wetbag. Einlagen, die heiß gewaschen werden können, kommen in eine extra Wetbag. Die Wetbags stülpe ich in die Waschmaschine und wasche Windeln und Einlagen und die Wetbag in der normalen Wäsche mit. Alternativ kann auch ein Wäschenetz in die Wetbag gehängt und einfach geschlossen mitgewaschen werden. Damit werden die Außenwindeln besonders geschont.

Bei uns wird alle Buntwäsche meist bei 40 °C gewaschen. Manchmal nutze ich das Vorwaschprogramm, wenn Wäsche besonders dreckig oder eingetrocknet ist. Die Überwindeln wasche ich selten mal bei 60 °C und mit Fleckensalz. Auch wenn der Stoff ein wenig darunter leidet, ist es vor allem bei den Close Pop-Ins manchmal notwendig, damit sie nicht riechen. Die Baumwolleinlagen wasche ich immer wenn ich sowieso eine heißere Wäsche mache bei 60 °C oder 90 °C.

Da die Überwindeln leiden, wenn sie zu lange mit Urin in Kontakt sind, wasche ich einfach bei jeder Wäsche die Windeln mit, die gerade angefallen sind. Wir waschen mindestens alle zwei Tage, sodass die Windeln selten länger in der Wetbag bleiben.

Wir lassen Windeln und Einlagen an der Luft trocknen und nutzen keinen Trockner. Trockene Windeln und Einlagen „baue“ ich wieder zusammen, versehe sie mit einem Vlies und lege sie griffbereit in unsere Wickelschublade.

Stoffwindeln in unserem Alltag

Den Wickeltisch nutzen wir schon länger nicht mehr, zum einen, weil das Kind eine Phase hatte, in der es sich partout nicht auf den Rücken legen ließ, zum anderen weil es mittlerweile nur runterklettern wollen würde. Wir wickeln nun also auf dem Fußboden im Bad oder auf unserem Schoß. Damit nichts dreckig wird, legen wir ein kleines Handtuch unter den Popo. Ansonsten sind im Bad das Töpfchen, um nochmal Pipi zu machen, die Toilette, um Stuhl wegzuspülen, die Wetbag um dreckige Windeln aufzubewahren, ein Wasserhahn und Tücher um den Popo zu reinigen und die Schublade mit frischen Windeln immer griffbereit.

Was brauchen wir, um mit Stoffwindeln zu wickeln? Bei unserem Stoffwickelrhythmus benötigen wir bei einem 1-1,5 Jahre alten Kind momentan 10 Windeln und etwa 18 Einlagen + etwa 4 Booster. Zusätzlich haben wir 2 Wetbags für Überwindeln und Einlagen und eine kleine Wetbag für unterwegs im Einsatz. Zum Saubermachen haben wir diverse Waschlappen und Tücher. Als Wickelunterlage nutzen wir kleine Handtücher.

Gekauft habe ich hierfür 6 gebrauchte Close Pop-Ins V2 bei Ebay und 4 neue BambinoMio Überhosen in Größe 2. Ich habe dabei im Durchschnitt jeweils ca. 13-14 Euro pro Windel ausgegeben.

In der ersten Zeit hatten wir darüber hinaus noch ein kleines Set von der Windelmanufaktur mit einer Außenwindel, zwei Innenwindeln, 2 Einlagen und 2 Boostern, sowie eine Überhose von Bambino Mio in Größe 1.

Generelles Fazit:

Stoffwindeln lassen sich schnell in den Alltag integrieren und sind halb so kompliziert, wie es auf den ersten Blick erscheint. Wenn die Routine einmal da ist, sind sie nur minimal aufwändiger als Wegwerfwindeln.

Nach meinen bisherigen Erfahrungen würde ich immer dazu raten einfache Außenwindeln zu nutzen, die je nach Alter, Stuhlgang, Geschlecht, Aktivität, Dauer der Nutzung etc. mit unterschiedlichen Einlagen ausgestattet werden können. Dadurch bleibt man sehr flexibel und ist nicht von einem Windelsystem abhängig. Außerdem kann man diverse verschiedene Textilien als Einlagen nutzen und somit alte Stoffe nutzen, die man sonst der Altkleidersammlung zufügen würde. Als Fan vom Upcycling bin ich davon begeistert. Außerdem spart es Geld im Vergleich zu gekauften Einlagen.

Wir sind sehr zufrieden mit den Außenwindeln von Bambino Mio. Uns gefallen die Muster, die Qualität des Stoffes ist gut und sie hält auch nach vielen Wäschen noch dicht. Von den Windeln habe ich nach und nach immer mal wieder eine dazugekauft, die gerade günstig war, sodass wir pro Windel ca. 13 Euro bezahlt haben. Dank meiner Leidenschaft für alle Textilien, haben wir genug Stoffe aus denen ich Einlagen falten und nähen konnte, sodass wir hierfür kaum Geld ausgeben mussten.  

Wahrscheinlich tun wir es sogar, aber uns geht es nicht darum beim Wickeln Geld zu sparen, sondern das Kind weniger Chemie in den Windeln auszusetzen und ihm einen kleineren Müllberg zu hinterlassen. Mir ist es immer unangenehm eine volle Einwegwindel zu riechen. Die Stoffwindeln hingegen riechen nach nichts anderem als das was drin ist. 😉 Wir haben außerdem die Erfahrung gemacht, dass der Babypopo weniger mit Wundsein und ähnlichen Wehwehchen zu tun hat, wenn er in Stoff gewickelt ist. Ich weiß nicht, ob es am anderen Klima in der Windel liegt, oder daran, dass man Stoffwindeln doch etwas häufiger wickeln muss, als Wegwerfwindeln. Aber das Resultat ist, dass wir kaum Wundcreme brauchten.

Da ich es gerade erwähnt habe – ja, bei uns sind Stoffwindeln nicht so saugfähig und dicht wie Wegwerfwindeln. Wir haben selbst mit noch so vielen Boostern keine Stoffwindel bauen können, die unser Kind nachts nicht auslaufen lässt. Vielleicht wären verschließbare Innenwindeln, die den Po komplett bedecken, eine Lösung, aber momentan haben wir keine Nerven für Experimente in den wertvollen Nächten. 😉 Daher gibt es nachts Einwegwindeln. Und tagsüber müssen wir häufiger wickeln, da sich der Urin aus der Windel herausdrückt, wenn das Kind z.B. längere Zeit in einer nassen Windel sitzt. Aber ich möchte unser Kind sowieso nicht zu lange im Nassen sitzen lassen und die zum Teil wahnsinnige Gelierfähigkeit von Einwegwindeln lässt mich manchmal eher daran zweifeln was für eine Chemiebombe da am Popo klebt, als dass ich sie der Stoffwindel immer vorziehen würde.

Für uns funktioniert es daher prima eine Mischung aus Wegwerfwindeln und Stoffwindeln zu nutzen. Auch auf Reisen wird das Ganze nicht zu kompliziert und nicht stressig und alle in der Familie sind mit unserer Kompromisslösung zufrieden.

Hilfreiche Seiten:

Zu dem Thema gibt es natürlich schon jede Menge Informationen. Besonders hilfreich finde ich die folgenden beiden Seiten:

Die Firma Windelmanufaktur bietet nicht nur wunderschöne Windeln und Einlagen, sondern auch jede Menge hilfreiche Informationen rund um das Thema Stoffwindeln. Hier findet sich auch eine aufschlussreiche Rechnung zum Thema Geldsparen mit Stoffwindeln. https://www.windelmanufaktur.com

Sehr umfangreiche Informationen rund um die verschiedenen Windelsysteme, Waschanleitungen, Faltanleitungen für Einlagen etc. findet man auf https://www.windelwissen.de/. Allerdings gibt es hier zu manchen Themen so viele Infos, dass man Gefahr läuft nachher verwirrter zu sein, als vorher.

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