Schreibpraxis

In diesem Semester hatten wir im Oberseminar einige interessante Sitzungen zur Schreibpraxis. Diese Sitzungen waren für mich gerade richtig, da ich mich nun in einer intensiven Schreibphase meines Dissertationsprojekts befinde. Und genau vor diesen Phasen habe ich im Laufe meines gesamten Studiums gefürchtet. Ich recherechiere liebend gerne und arbeite mich immer tiefer in ein Thema ein. Ich mache mir auch Notizen, sortiere diese und sammel Literaturhinweise. Wenn es allerdings darum geht, all mein gesammeltes Wissen in einen koherenten Text zu bringen, dann fehlen mir plötzlich die Wörter. Meist liegt es daran, dass ich Angst habe, mich für einen Argumentationsstrang zu entscheiden, da ich immer befürchte den falschen zu wählen, oder etwas Wichtiges auszulassen. Und dann habe ich Angst, dass mein geschriebener Text nicht perfekt genug, nicht wissenschaftlich genug, nicht dicht genug wird. Und deswegen würde ich das Schreiben dann am liebsten ganz lassen. Das ist merkwürdig, denn sobald ich nicht an der Diss sitze, sondern an einem beliebigen anderen Text, macht mir das Schreiben Spaß. Die Hemmung kommt also von einer absurd hohen Erwartung, dass der Text sofort perfekt sein muss. Ich weiß, dass das ein Standardproblem beim wissenschaftlichen Schreiben ist – gemeinsam im Boot zu sitzen macht es zwar etwas erträglicher, der Text wird davon allerdings nicht schneller fertig. 😉

Ich habe mir daher in den letzten Jahren bereits verschiedene Techniken angewöhnt, um trotzdem ans Schreiben zu kommen. Für mich ist hierbei ganz zentral, dass ich erstmal alle Gedanken aufschreibe, ohne auf den Stil zu achten. Denn Texte verschönern ist einfacher, wenn man bereits Inhalt hat. Darüber hinaus bin ich eine große Liebhaberin des handschriftlichen Schreibens. Ich habe das Gefühl, dass ich beim Schreiben mit der Hand mein Gehirn anders anrege, als wenn ich in den Computer tippe. Ich denke ein Wechsel des Mediums ist immer wieder hilfreich, um auch die Gedanken in andere Richtungen zu bringen. Und manchmal, wenn garnichts geht, hilft es einfach bereits geschriebene Textfragmente stupide handschriftlich abzuschreiben – irgendwie werden auch dadurch die Neuronen zum Tanzen gebracht.

Im Oberseminar hat nun ein Kommilitone einige Bücher zur Schreibpraxis empfohlen, die mich interessanterweise in meinen Methoden bestärkt haben und mir auch ein paar neue Ideen gegeben haben. Vor allem habe ich aber durch die Texte quasi eine “Erlaubnis” so zu arbeiten, wie ich es für mich sowieso herausgefunden habe. Da es dort schwarz auf weiß steht, scheint es eine legitimierte Methode zu sein, und ich brauche  nicht mehr an mir zu zweifeln. So blöde das auch klingt, aber solange ich nach der Lektüre mehr Mut habe an meinen Text zu gehen, ist alles gut! Und um die Buchtitel auch für die Ewigkeit festzuhalten, will ich sie auch hier teilen:

  • Judith Wolfsberger: Frei geschrieben: Mut, Freiheit und Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten. 2016.
  •   Doris Märtin: Erfolgreich texten: Für Kunden – Im Unternehmen – In der Werbung – Im Studium – In der Wissenschaft – Im Internet. 2010.
  • Ingrid Scherübl und Katja Günther: Der Schreibimpulsfächer: Inspirationen für das Selbstcoaching beim Schreiben. 2015.

 

 

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1 Kommentar

  1. Hallo Paula,
    ich hab mal in deinem Blog gestöbert, nachdem du mich auf deiner Postcrossing-Karte an mich – die mit dem blumenkohlartigen Warzengesicht – darauf aufmerksam gemacht hast. Da ich gerade in der Klinik sitze und noch nicht schlafen kann, habe ich etwas Zeit dafür.
    Du schreibst wunderbar – recht offen, ehrlich und herzerfrischend, ich werde auf jeden Fall noch andere Beiträge lesen!
    Einen schönen Vorfrühling und alles Gute für deine Dissertation!

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